Stell dir vor, du legst Geld zu 5 % Zinsen pro Jahr auf ein Bankkonto. Jetzt stell dir vor, dieselbe Bank erlaubt dir, dieses Geld weiter zu nutzen, ohne es abzuheben, um für den Kredit deines Nachbarn zu bürgen und dafür weitere 3 % zu bekommen. Dein Geld „arbeitet“ gleichzeitig an zwei Stellen und bringt dir eine doppelte Rendite.
In der Krypto-Welt nennt man dieses Konzept Restaking. 2024 hat es den Markt dank des Projekts EigenLayer erschüttert, und bis 2026 wurde es zur Grundlage der neuen Krypto-Ökonomie.
Was ist Restaking? (Einfach erklärt)
Normalerweise, wenn du dein Ethereum (ETH) stake, trägst du zur Sicherheit des Ethereum-Netzwerks bei. Dafür erhältst du eine Belohnung (~3–4 %). Dieses Geld ist gesperrt und nur für diese eine Aufgabe verwendet.
Restaking erlaubt es dir, diese bereits gestakten Assets zu nutzen, um die Sicherheit anderer Dienste zu gewährleisten: Orakel, Bridges, neue Blockchains oder Datenspeichernetzwerke. Diese Drittanbieterdienste nennt man AVS (Actively Validated Services – aktiv validierte Dienste).
Was bringt das?
- Für Nutzer: Du erhältst die Basis-Rendite von Ethereum + zusätzliche Belohnungen von AVS.
- Für neue Projekte: Sie müssen keine Millionen für ihre eigene Sicherheit suchen – sie „mieten“ die Sicherheit von Ethereum über Restaking.
Evolution 2026: Von EigenLayer zum Multi-Staking
Während 2024 alles um Ethereum drehte, hat sich 2026 die Landschaft verändert:
- Symbiotic und Karak: Die Hauptkonkurrenten von EigenLayer. Sie führten das Konzept „Asset-agnostic restaking“ ein. Jetzt kann man nicht nur ETH, sondern auch beliebige ERC-20 Tokens, Stablecoins (USDC/USDT) und sogar wrapped Bitcoin (wBTC) restaken.
- LRT (Liquid Restaking Tokens): Das sind wie „Quittungen“ für dein Restaking. Protokolle wie Ether.fi, Renzo oder Puffer nehmen dein ETH, restaken es und geben dir einen Token (z. B.
eETH), der im Wert steigt und gleichzeitig liquide bleibt. Du kannst ihn verkaufen oder in DeFi nutzen. - Omnichain Restaking: 2026 wurde Restaking Cross-Chain. Du kannst Assets in einem Netzwerk staken und ein Protokoll in einem anderen sichern.
Praktischer Leitfaden: Wie man startet
Für normale Nutzer gibt es zwei Hauptwege:
Option A: Einfach (über LRT)
- Gehe auf eine Liquid Restaking-Plattform (z. B. Ether.fi oder Kelp DAO).
- Zahle dein ETH oder LST ein (z. B.
stETHvon Lido). - Im Gegenzug erhältst du einen LRT-Token.
- Ergebnis: Dein Saldo sammelt Zinsen aus Ethereum-Staking, Restaking-Belohnungen und „Points“ (die später zu Airdrops werden können).
Option B: Fortgeschritten (direkt über EigenLayer/Symbiotic)
Hier wählst du selbst, welchen Operatoren du deine Delegation gibst und welche AVS du unterstützt. Dazu musst du die Risiken jedes Dienstes verstehen.
Technische Ecke: Wie es unter der Haube funktioniert
Für diejenigen, die die Mechanik verstehen oder einen eigenen Monitoring-Bot schreiben wollen: Die Interaktion mit Restaking-Protokollen erfolgt über Smart Contracts.
Beispiel, wie man mit ethers.js das Restaked-Balance in einem hypothetischen Vertrag prüft:
const { ethers } = require("ethers");
// Vertrags-ABI (vereinfacht)
const restakingAbi = [
"function getRestakedBalance(address account) view returns (uint256)",
"function deposit(address token, uint256 amount) external"
];
async function checkBalance() {
const provider = new ethers.JsonRpcProvider("https://mainnet.infura.io/v3/YOUR_KEY");
const contractAddress = "0x..."; // Adresse des EigenLayer- oder LRT-Vertrags
const contract = new ethers.Contract(contractAddress, restakingAbi, provider);
const balance = await contract.getRestakedBalance("DEINE_WALLET_ADRESSE");
console.log(`Dein Restaking-Saldo: ${ethers.formatEther(balance)} ETH`);
}
Risiken: Gibt’s kostenlosen Käse?
Restaking bringt nicht nur doppelte Rendite – es hat auch doppeltes Risiko.
- Slashing: Wenn der Operator, dem du ETH anvertraut hast, schlecht handelt, kann ein Teil deiner Mittel konfisziert werden. Beim Restaking kannst du zweimal bestraft werden: im Ethereum-Netz und im AVS-Netz.
- Smart-Contract-Risiko: Dein Geld liegt in einem komplexen Vertrags-System. Ein Fehler auf irgendeiner Ebene kann zu Verlusten führen.
- Liquiditätsrisiko: In Panikzeiten können LRT-Token unter ihrem tatsächlichen ETH-Wert gehandelt werden (Preis-Dekopplung).
Wenig bekannter Fakt: 2026 kamen „Slashing-Versicherungen“. Einige Protokolle legen automatisch 0,5 % der Belohnungen in einen Versicherungsfonds, um mögliche Nutzerverluste abzudecken. Beim Plattformwahl immer prüfen, ob ein solcher Fonds vorhanden ist.
Strategien zur Maximierung der Rendite: DeFi „Schichtkuchen“
Im Jahr 2026 halten Profis LRT-Token nicht einfach nur im Wallet. Sie verwenden sie als Sicherheit in anderen Protokollen. Das nennt man Recursive Staking oder die „Yield-Schleife“.
Beispiel für eine Yield-Schleife:
- Sie legen 10 ETH bei Ether.fi an und erhalten 10
eETH. (Rendite: ~7% mit Restaking) - Sie gehen zu einem Lending-Protokoll (z. B. Aave oder Morpho) und hinterlegen
eETHals Sicherheit. - Auf Basis Ihrer
eETH-Sicherheit leihen Sie normales ETH (in der Regel zu einem niedrigeren Zinssatz als dieeETH-Rendite). - Mit dem geliehenen ETH kaufen Sie erneut
eETH. - Ergebnis: Ihre effektive ETH-Position steigt, und die jährliche Rendite kann 15–20 % erreichen.
Achtung: Diese Strategie ist bei starken Marktschwankungen extrem riskant (Liquidationsrisiko).
Wenig bekannte Details: VAVS und Shared Security
Dinge, über die in Standardübersichten selten berichtet wird:
- VAVS (Vertical Actively Validated Services): 2026 tauchten Services auf, die sich auf die Validierung spezifischer Daten spezialisiert haben. Zum Beispiel AVS, die nur die Korrektheit von Off-Chain-AI-Modellen prüfen. Restaking wurde zum Treibstoff für dezentrale KI (DeAI).
- Zwei-Token-Sicherheitsmodell: Einige neue Netzwerke nutzen eine Kombination aus ihrem nativen Token und restaktem ETH für die Sicherheit. So sind sie resistent gegen Preisabstürze ihres eigenen Tokens: Selbst wenn der Preis um 90 % fällt, bleibt die Netzwerksicherheit durch das „gemietete“ ETH gewährleistet.
- MEV im Restaking: Operatoren können jetzt die maximale extrahierbare Wertschöpfung (MEV) in mehreren Netzwerken gleichzeitig optimieren. Ein Teil dieses zusätzlichen Gewinns wird an Restaker verteilt.
Praktisches Code-Beispiel: Monitoring von „Points“ und Renditen
Viele Protokolle verwenden ein Punktesystem. Für ernsthafte Multi-Protokoll-Analysen kann man Python und öffentliche APIs (oder Indexer wie The Graph) nutzen.
import requests
def get_lrt_stats(protocol_name):
# Beispielanfrage an ein Analytics-Aggregator-API oder Subgraph
url = f"https://api.restaking-stats.io/v1/protocol/{protocol_name}"
response = requests.get(url)
if response.status_code == 200:
data = response.json()
tvl = data['total_value_locked']
apy = data['current_apy']
points_multiplier = data['points_multiplier']
print(f"Protokoll: {protocol_name.upper()}")
print(f"TVL: ${tvl:,.2f}")
print(f"Aktuelle Rendite (APY): {apy}%")
print(f>Punkte-Multiplikator: x{points_multiplier}")
else:
print("Fehler beim Abrufen der Daten")
# Beliebtes Protokoll prüfen
get_lrt_stats("etherfi")
Checkliste: Wie man 2026 ein Restaking-Protokoll auswählt
Wenn Sie in diesen Trend einsteigen wollen, prüfen Sie das Projekt anhand dieser Punkte:
- Audits: Mindestens zwei Audits von Top-Firmen (z. B. Sigma Prime oder OpenZeppelin).
- Unstaking-Periode: In einigen Protokollen 7–14 Tage. Stellen Sie sicher, dass Sie das Geld nicht dringend benötigen.
- Reputation der Operatoren: Schauen Sie, wer die Nodes betreibt. Große Validatoren wie Coinbase Cloud oder Figment verringern das Slashing-Risiko.
- DeFi-Integration: Wie einfach ist es, Ihren LRT-Token auf dezentralen Börsen (Uniswap/Curve) zu verkaufen? Gibt es Liquidität?
Fazit: Die Zukunft des Restakings
Restaking hat Ethereum von einer einfachen Blockchain zu einer „Globalen Vertrauensschicht“ gemacht. Wir sind vom Modell, in dem jedes Projekt seine eigene Festung baut, zu einem Modell übergegangen, in dem alle Zugang zu einer gemeinsamen Super-Festung mieten.
Für einen „Einsteiger“ 2026 bedeutet das eine einfache Sache: ETH einfach im Wallet zu halten, ist wirtschaftlich nicht mehr rentabel. Liquid Restaking ist der neue Standard des Asset-Besitzes und ermöglicht Zugriff auf Renditen, die zuvor nur großen institutionellen Spielern vorbehalten waren.
Wichtigster Tipp: Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb. Verteilen Sie Ihr Kapital auf verschiedene LRT-Protokolle und Architekturen (EigenLayer, Symbiotic, Karak), um systemische Risiken zu minimieren.
Das war’s! Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie sie in die Kommentare. :)